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FÜNF TAGE IN DER EWIGEN STADT

28/10/2016 - 01/11/2016 Bisher war ich schon dreimal in der wunderschönen Lagunenstadt Venedig, jedoch noch nie um sie professionell zu fotografieren. Dieses Ziel stand also für eine Fotoreise ganz oben auf meiner Liste. Um möglichst früh morgens vor den Touristen die jeweiligen Orte in Ruhe fotografieren zu können, buchten wir direkt in der Stadt unsere Unterkunft. Mit den Jahren ist Venedig ein Ganzjahres-Reiseziel geworden und die Anzahl der Touristen ist selbst im November noch extrem hoch. Wir, das sind Axel aus München, Andreas aus Hamburg und ich, hatten uns auf einer Foto-Tour in der Bretagne 2015 kennengelernt und beschlossen, dass wir die nächste Reise gemeinsam antreten werden. Da wir räumlich doch etwas weit voneinander weg leben, verabredeten wir uns direkt an der Pier für den Bootstransfer in die Lagunenstadt. Tag 1. Anreise Freitag, 28.10.2016 Meine Alitalia Maschine hob pünktlich um 12:40 Uhr in Richtung Venedig ab und nach einer guten Stunde setzte der Kapitän auch schon wieder zur Landung auf den Flughafen "Marco Polo" an. Erstaunlicherweise war der Service an Bord ganz in Ordnung und auch die Beinfreiheit war recht gut, anders als ich es von Air-Berlin und Lufthansa gewohnt war. Der Flughafen von Venedig ist klein und gut überschaubar und liegt quasi in Sichtweite zur Lagunenstadt. Um vom Flughafen in die Stadt zu gelangen gibt es mehrere Möglichkeiten. Die erste und teuerste Variante wäre ein privates Bootstaxi für ungefähr 120,-€. Günstiger geht es mit einem Boot-Sammeltaxi für 30,- pro Person. Oder Ihr nehmt Euch ein richtiges Taxi, so mit Rädern dran, für ca. 40,-€ oder den Bus für 8,-€. Allerdings endet die Fahrt für alle Landfahrzeuge an der "Piazzale Roma" und Ihr müsst den Rest des Weges zu Fuß bewältigen oder auf ein Vaporetto (Dampfschiff) umsteigen. Hier wäre es angebracht vorher zu schauen wo Euer Hotel in der Stadt liegt und wie weit Ihr es zu Fuß dann noch habt von der jeweiligen Endstation. Mit Gepäck durch die engen meist mit Menschen verstopfte Gassen zu gehen, ist für viele nicht so angenehm. Dazu kommen noch einige Brücken mit Stufen die überquert werden müssen. Wir Drei entschieden uns für einen Boots-Transfer mit der Linie "Alilaguna". Sie brachte uns direkt vor unser Hotel und mit 15-,€ pro Person war es auch bezahlbar. Diese Schnell-Boote halten nur an bestimmten Haltestellen und es gibt vier verschiedene Linien (blau, rot, grün und orange). Der Fahrplan steht im Internet unter Alilaguna zum Download zur Verfügung, ebenso die aktuellen Preise für die Tickets. Die Boote der Linie „Orange“ holen ihre Passagiere im 30 Minuten Takt ab und innerhalb von 40 Minuten standen wir auch schon direkt vor unserem Hotel. Am Flughafen ist der Weg zu den Anlegestellen sehr leicht zu finden. Einfach den Flughafen verlassen und dann links den überdachten Weg entlang, direkt zu den Anlegestellen der unterschiedlichen Anbieter. Die Tickets gibt es dann an dem jeweiligen Schalter direkt an der Pier für 15,- pro Fahrt. Das Ticket für die Hin- und Rückfahrt kostet 27,- Euro und ist 30 Tage lang gültig. Die normalen Tages- und Wochentickets sind für die Fahrt vom und zum Airport leider nicht gültig. Am ersten Abend wollten wir auf dem Markusplatz den Sonnenuntergang neben der kleinen Insel "San Girgio" fotografieren. Wir gingen zu Fuß dorthin, was leider keine gute Entscheidung war. Die Entfernung von unserem Hotel im „Cannaregio“ Viertel zum Markusplatz war sehr groß und gestaltete sich recht nervig durch die vielen Touristen in den engen Gassen, die uns ständig vor die Füße liefen. Wir wichen dann spontan auf weniger frequentierte Gassen aus und dank der Google Maps App fanden wir schließlich unser Ziel. Die Orientierung in Venedig ist durch die engen und verwinkelten Gassen nicht ganz leicht. Oft läuft man viele Meter unnötig, weil sich der Weg dann doch als eine Sackgasse entpuppt oder ein Kanal ohne Brücke versperrt das Weiterkommen. Ein vernünftiger Stadtplan ist also in jedem Fall zu empfehlen. Kostenlos gibt es diesen am Ticketschalter von „Alilaguna“ oder man nutzt einfach die Smartphone Variante, so wie ich. Am Markusplatz angekommen positionierten wir uns mit den Stativen und Kameras in Höhe von "Arsenal". Von hier aus sollten wir einen optimalen Blick auf die untergehende Sonne haben. Das hatte ich im Vorfeld mit der App „TPE“ in Erfahrung gebracht. Für mich ist diese App eine Grundvoraussetzung um den genauen Stand von Sonne und Mond zu ermitteln. So muss ich nicht vor Ort nach einem optimalen Standpunkt suchen und spare mir viel Zeit. Leider war der Sonnenuntergang recht unspektakulär, doch im Anschluss wurden wir von einem rot glühenden Himmel überrascht der fast eine ganze Stunde lang anhielt. Nervig waren die Touristen die sich mit ihren Handys oder Knipsen bewaffneten um sich direkt vor unsere aufgebauten Kameras zu positionieren. Sie wollten ihre Fotos seltsamerweise aus dem gleichen Blickwinkel schießen wie wir und waren resistent gegenüber jeglicher Gestik und Mimik unsererseits. Andy hatte seine Kamera beispielsweise mit einem alten Poller im Vordergrund gen Sunset ausgerichtet. Doch genau dieser Poller (einer von ca. 20) musste genau dann als Stütze oder Sitzgelegenheit genutzt werden. Menschenleere Plätze füllten sich plötzlich in Minutenschnelle als wir unsere Stative aufbauten. Dieses Phänomen beobachteten wir ständig und somit wurde unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt. Als der rot brennende Himmel nach und nach im schwarzen Nachthimmel verschwand, bauten wir unser Equipment ab und nahmen ein“ Vaporetto“ für die Rücktour zu unserem Hotel. Die Einzelfahrt mit so einem Wasserbus kostet 7,50 €, aber wenn Ihr mehrere Tage in der Stadt seid, ist es günstiger in ein Mehrtagesticket zu investieren. Wir kauften uns für 40,-€ ein 72 Stunden Ticket und sparten so viel Geld. Sehr gut kann man Venedig vom Wasser aus genießen und bewundern und wenn man das System der Transportmittel erst verstanden hat, ist es sehr einfach und bequem von A nach B zu kommen. Nach diesem aufregenden Tag hatten wir Hunger und waren auf der Suche nach einem bezahlbaren Restaurant. Die Preise in Venedig sind generell höher als auf dem Festland und man sollte nach Möglichkeit Restaurants in der Nähe vom Markusplatz, Rialtobrücke und Co meiden. Meine Erfahrung war, dass neben dem Essen noch weitere Kosten, wie Bedienung, Tax, Musik und Sitzplatz, abgerechnet werden. Vorher wird der Tourist aber mit günstigen Angeboten ins Lokal gelockt. Trotzdem findet man aber abseits des Mainstream bezahlbare Restaurants mit schmackhaften Speisen. Empfehlen kann ich zum Beispiel die "Trattoria Bar Pontini" nahe der "Ponte delle Guglie". Hier ist eine nette Bewirtung selbstverständlich und man wird mit leckeren Speisen überrascht. Allerdings ist es besser vorher einen Tisch zu reservieren, da das Lokal sehr beliebt ist. Tag 2. Samstag, 29.10.2016 Schon um 6 Uhr klingelte uns der Wecker aus dem Bett, wir wollten ja nichts verpassen. Mit dem Vaporetto fuhren wir in ca. 30 Minuten zum Markusplatz. Unser Plan für den bevorstehenden Sonnenaufgang: Die typischen Gondeln im Vordergrund und der Insel „San Giorgio“ mit seiner „Church of San Giorgio“ im Hintergund und natürlich der Markusplatz mit der aufgehenden Sonne hinter dem Dogenpalast. Überrascht waren wir über die zahlreichen Fotografen die sich auf den besagten Plätzen tummelten. Trotzdem war es sehr viel entspannter als am Vorabend und wir hatten unsere Fotos schnell im Kasten. Wollt Ihr Bilder von einem menschenleerer Markusplatz aufnehmen, so ist das nur morgens zur blauen Stunde möglich. Das heißt, Ihr solltet mindestens eine Stunde vor Sonnenaufgang vor Ort sein, besser ist noch früher um einen idealen Standpunkt für die Kamera zu finden. Während der blauen Stunde bleibt nicht viel Zeit für Experimente, denn es wird schnell hell und die zahlreichen Kandelaber (Laternen) werden ausgeschaltet. Je höher die Sonne stieg, desto mehr Touristen sammelten sich auf dem Markusplatz. Hier gibt es eine Live-Cam zum Markusplatz mit bewegten Bildern. Wir hatten Hunger und fuhren mit dem Vaporetto zu unserem Hotel zurück um ein ausgiebiges Frühstück zu genießen. Am Nachmittag ging es dann nochmal zum Markusplatz und zum "Arsenal". Das ist die ansässige Schiffswerft des Zeughauses und der Flottenbasis der ehemaligen Republik Venedig. Hier blieben wir bis zum Einbruch der Dunkelheit. Tag 3. Sonntag, 30.10.2016 Für diesen morgen zum Sonnenaufgang hatten wir uns den berühmten Blick von der „Ponte dell`Accademia“ zur „Basilica di Santa Maria della Salute“ ausgesucht. Mit dem Vaporetto fuhren wir bis zur Anlegestelle „Zaterre“ und gingen dann noch knappe 10 Minuten zu Fuß bis zur Brücke. Wir waren aber nicht die ersten die ihr Equipment in Pose brachten, zwei Fotografen hatten sich schon einen Platz in der ersten Reihe gesichert. Es empfiehlt sich der Standpunkt auf dem rechten Teil der Brücke um den „Canale Grande“ ins Meer fließen zu sehen. Ich probierte mehrere Standpunkte aus. Leider waren die Lichtverhältnisse recht schwierig und so nutzte ich mehrere Techniken aus um ein optimales Foto entstehen lassen zu können. Beispielsweise nutze ich einen weichen Verlaufsfilter und nahm auch einige Motive in HDR auf um den hohen Kontrastumfang gerecht werden zu können. Eine HDR-Aufnahme ist eine Reihe von Belichtungen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten. Die Blende, der Weißabgleich und natürlich der Autofokus dürfen zwischenzeitlich nicht verändert werden und sollten möglichst auf manuell eingestellt sein. Das RAW-Format sollte hier wie auch bei allen anderen Aufnahmen selbstverständlich sein. Denn nur mit dem RAW-Format lässt sich der volle Dynamikumfang des Sensors nutzen. Durch eine längere Belichtungszeit (Langzeitbelichtung) lassen sich zusätzlich die Lichtspuren der fahrenden Boote einfangen und verleihen den Bildern etwas Geheimnisvolles. Sollte die Belichtungszeit nicht lang genug sein, dann steckt oder schraubt einen ND-Filter vor das Objektiv. Am Nachmittag fuhren wir mit dem Vaporetto von der Anlegestelle „Fondamenta Nuova“ in ca. 45 Minuten zu der kleinen Insel „Burano“. Die Boote legen alle halbe Stunde ab, doch das letzte Boot zurück sollte man nicht verpassen. "Burano" selbst ist eine wunderschöne kleine Insel mit nur zwei Kanälen die von quietsch bunten Häusern gesäumt sind. Der tiefblaue, wolkenlose Himmel ließ das ganze sehr kitschig erscheinen, halt Postkartenidylle. Auch wenn es hier nicht ganz so viele Touristen gab, verirrte sich trotzdem der ein oder andere vor unsere Kameras. Wenn ich Personen nicht in mein Bild einbauen möchte, nutze ich später in Photoshop die Technik „Maskieren“. Hierzu stelle ich die Kamera auf ein stabiles Stativ und fertige mehrere Fotos der gleichen Szene an ohne die Kamera zu bewegen. Dabei achte ich darauf, dass alle Bereiche des Fotos irgendwann frei von Menschen sind und das Licht möglichst gleich bleibt. In Photoshop lade ich die Bilder dann übereinander in unterschiedlichen Ebenen und durch maskieren blende ich die Personen dann einfach aus. Mit Photoshop Elements lässt sich das sogar automatisch bewerkstelligen. Tag 4. Montag, 31.10.2016 In Venedig gehen morgens nach der Dämmerung zügig alle Lichter aus und somit konnten wir am Samstag nicht alle unsere Bildideen verwirklichen. Also beschlossen wir nochmal zum Markusplatz zu fahren und es war eine gute Entscheidung. Das Licht und die Wolken am Himmel waren ganz nach meinem Geschmack und auch die Lichtverhältnisse waren ideal. Der Sonnenaufgang wurde zwar leider von einem anfahrenden Kreuzfahrschiff verdeckt, doch in diesem Moment, als die Sonne am Bug des Schiffes vorbei lugte, gelang mir eine optimale Aufnahme. Durch einen weichen Verlaufsfilter vor dem Objektiv dunkelte ich zusätzlich den Himmel ab und erhielt dadurch eine schöne Struktur in den Wolken. Sucht Euch einen Platz direkt auf dem Markusplatz und wartet den Moment ab, wenn die Sonne zwischen den Arkaden des "Dogenpalastes" erscheint. Um einen schönen Blendenstern der Sonne und den Laternen, den Kandelabern zu erhalten müsst Ihr die Blende am Objektiv schließen, dass heißt Ihr stellt eine große Zahl ein. Der Blendenstern, oder Sonnenstern, ensteht so ab Blende 11. Das ist natürlich auch vom Objektiv und dem Licht abhängig und ihr solltet das im Vorfeld zu Hause ausprobieren um vor Ort nicht experimentieren zu müssen. Eine kleinere Blende als 16 würde ich aber nicht empfehlen, da hier die Schärfe an den Rändern zu sehr abnimmt (Beugungsunschärfe) und Ihr solltet Eure Kamera aus dem Effeff beherrschen damit Ihr vor Ort schnell genug auf Lichtveränderungen reagieren könnt. In der Dunkelheit ist eine kleine Taschenlampe, besser eine Kopflampe (idealerweise mit Rotlicht) extrem hilfreich. Am Nachmittag gingen wir in Richtung „Rialtobrücke“ zu Fuß um nach geeigneten Motiven Ausschau zu halten, denn es fehlte uns noch dieses typische Bildmotiv von den engen Kanälen mit den alten Häuserfassaden. Und wie sollte es anders sein, scharrten sich auch hier die Touristen vor unsere Kameras um aus unserem Blickwinkel ihre Fotos zu knipsen. Dazu kam, dass bei dem ganzen Herumgelaufe die kleinen Holzbrücken anfingen zu schwingen. Unsere Geduld wurde auch hier wieder auf eine harte Probe gestellt. An der Rialtobrücke angekommen, mussten wir feststellen, dass diese komplett eingerüstet war. Somit war es uns nicht möglich ein schönes Bild vom Wahrzeichen der Stadt zur blauen Stunde zu machen und auch am Abend waren hier noch Massen an Menschen unterwegs. Ein Handyfoto musste also schweren Herzens genügen. Tag 5. Dienstag, 01.11.2016 Der letzte Tag in der schönen Stadt Venedig ist angebrochen. An unserem letzten Tag wollten wir nochmal den Ausblick von der "Ponte dell` Accademia" genießen, denn wir hofften auf besseres Wetter und besseres Licht als am Sonntag morgen? Als wir an der Brücke ankamen, standen die ersten Fotografen schon da und es begann die blaue Stunde. Leider war der Himmel wieder ohne jede Wolke und Struktur. Nur am Horizont, da wo die aufgehende Sonne sich blicken lassen sollte, gab es ein fettes Wolkenband. Wir versuchten unser bestes, packten dann aber relativ schnell zusammen und fuhren mit dem Vaporetto zurück zu unserem kleinen Stadt-Hotel. So blieb noch Zeit für ein gemeinsames Frühstück und das Koffer packen, bevor es mit dem Schnellboot von „Alilaguna“ zurück zum Flughafen ging. Trotz der vielen Touristen war Venedig eine Reise wert und ich kann jedem diese wunderschöne Stadt nur wärmstens empfehlen. Aus fotografischer Sicht gesehen, findet Ihr Motive an jeder Ecke und die Reise ist durchaus bezahlbar. Für Hin- und Rückflug musste ich 100,- Euro bezahlen, das Hotel (inkl. sehr gutem Frühstück) kostete 420,- Euro. Dazu kamen nochmal 150,- Euro für Verpflegung und Wassertaxi. Besucht die Stadt wenn möglich in den Wintermonaten, denn dann ist es nicht ganz so voll und Ihr habt einfach mehr von Venedig.
VENEDIG Kanäle, Gondeln und Touristen
VENEDIG kanäle, gondeln und touristen

FÜNF TAGE IN DER EWIGEN

STADT

28/10/2016 - 01/11/2016 Bisher war ich schon dreimal in der wunderschönen Lagunenstadt Venedig, jedoch noch nie um sie professionell zu fotografieren. Dieses Ziel stand also für eine Fotoreise ganz oben auf meiner Liste. Um möglichst früh morgens vor den Touristen die jeweiligen Orte in Ruhe fotografieren zu können, buchten wir direkt in der Stadt unsere Unterkunft. Mit den Jahren ist Venedig ein Ganzjahres-Reiseziel geworden und die Anzahl der Touristen ist selbst im November noch extrem hoch. Wir, das sind Axel aus München, Andreas aus Hamburg und ich, hatten uns auf einer Foto-Tour in der Bretagne 2015 kennengelernt und beschlossen, dass wir die nächste Reise gemeinsam antreten werden. Da wir räumlich doch etwas weit voneinander weg leben, verabredeten wir uns direkt an der Pier für den Bootstransfer in die Lagunenstadt. Tag 1. Anreise Freitag, 28.10.2016 Meine Alitalia Maschine hob pünktlich um 12:40 Uhr in Richtung Venedig ab und nach einer guten Stunde setzte der Kapitän auch schon wieder zur Landung auf den Flughafen "Marco Polo" an. Erstaunlicherweise war der Service an Bord ganz in Ordnung und auch die Beinfreiheit war recht gut, anders als ich es von Air-Berlin und Lufthansa gewohnt war. Der Flughafen von Venedig ist klein und gut überschaubar und liegt quasi in Sichtweite zur Lagunenstadt. Um vom Flughafen in die Stadt zu gelangen gibt es mehrere Möglichkeiten. Die erste und teuerste Variante wäre ein privates Bootstaxi für ungefähr 120,-€. Günstiger geht es mit einem Boot-Sammeltaxi für 30,-€ pro Person. Oder Ihr nehmt Euch ein richtiges Taxi, so mit Rädern dran, für ca. 40,-€ oder den Bus für 8,-€. Allerdings endet die Fahrt für alle Landfahrzeuge an der "Piazzale Roma" und Ihr müsst den Rest des Weges zu Fuß bewältigen oder auf ein Vaporetto (Dampfschiff) umsteigen. Hier wäre es angebracht vorher zu schauen wo Euer Hotel in der Stadt liegt und wie weit Ihr es zu Fuß dann noch habt von der jeweiligen Endstation. Mit Gepäck durch die engen meist mit Menschen verstopfte Gassen zu gehen, ist für viele nicht so angenehm. Dazu kommen noch einige Brücken mit Stufen die überquert werden müssen. Wir Drei entschieden uns für einen Boots- Transfer mit der Linie "Alilaguna". Sie brachte uns direkt vor unser Hotel und mit 15-,€ pro Person war es auch bezahlbar. Diese Schnell-Boote halten nur an bestimmten Haltestellen und es gibt vier verschiedene Linien (blau, rot, grün und orange). Der Fahrplan steht im Internet unter Alilaguna zum Download zur Verfügung, ebenso die aktuellen Preise für die Tickets. Die Boote der Linie „Orange“ holen ihre Passagiere im 30 Minuten Takt ab und innerhalb von 40 Minuten standen wir auch schon direkt vor unserem Hotel. Am Flughafen ist der Weg zu den Anlegestellen sehr leicht zu finden. Einfach den Flughafen verlassen und dann links den überdachten Weg entlang, direkt zu den Anlegestellen der unterschiedlichen Anbieter. Die Tickets gibt es dann an dem jeweiligen Schalter direkt an der Pier für 15,- pro Fahrt. Das Ticket für die Hin- und Rückfahrt kostet 27,- Euro und ist 30 Tage lang gültig. Die normalen Tages- und Wochentickets sind für die Fahrt vom und zum Airport leider nicht gültig. Am ersten Abend wollten wir auf dem Markusplatz den Sonnenuntergang neben der kleinen Insel "San Girgio" fotografieren. Wir gingen zu Fuß dorthin, was leider keine gute Entscheidung war. Die Entfernung von unserem Hotel im „Cannaregio“ Viertel zum Markusplatz war sehr groß und gestaltete sich recht nervig durch die vielen Touristen in den engen Gassen, die uns ständig vor die Füße liefen. Wir wichen dann spontan auf weniger frequentierte Gassen aus und dank der Google Maps App fanden wir schließlich unser Ziel. Die Orientierung in Venedig ist durch die engen und verwinkelten Gassen nicht ganz leicht. Oft läuft man viele Meter unnötig, weil sich der Weg dann doch als eine Sackgasse entpuppt oder ein Kanal ohne Brücke versperrt das Weiterkommen. Ein vernünftiger Stadtplan ist also in jedem Fall zu empfehlen. Kostenlos gibt es diesen am Ticketschalter von „Alilaguna“ oder man nutzt einfach die Smartphone Variante, so wie ich. Am Markusplatz angekommen positionierten wir uns mit den Stativen und Kameras in Höhe von "Arsenal". Von hier aus sollten wir einen optimalen Blick auf die untergehende Sonne haben. Das hatte ich im Vorfeld mit der App „TPE“ in Erfahrung gebracht. Für mich ist diese App eine Grundvoraussetzung um den genauen Stand von Sonne und Mond zu ermitteln. So muss ich nicht vor Ort nach einem optimalen Standpunkt suchen und spare mir viel Zeit. Leider war der Sonnenuntergang recht unspektakulär, doch im Anschluss wurden wir von einem rot glühenden Himmel überrascht der fast eine ganze Stunde lang anhielt. Nervig waren die Touristen die sich mit ihren Handys oder Knipsen bewaffneten um sich direkt vor unsere aufgebauten Kameras zu positionieren. Sie wollten ihre Fotos seltsamerweise aus dem gleichen Blickwinkel schießen wie wir und waren resistent gegenüber jeglicher Gestik und Mimik unsererseits. Andy hatte seine Kamera beispielsweise mit einem alten Poller im Vordergrund gen Sunset ausgerichtet. Doch genau dieser Poller (einer von ca. 20) musste genau dann als Stütze oder Sitzgelegenheit genutzt werden. Menschenleere Plätze füllten sich plötzlich in Minutenschnelle als wir unsere Stative aufbauten. Dieses Phänomen beobachteten wir ständig und somit wurde unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt. Als der rot brennende Himmel nach und nach im schwarzen Nachthimmel verschwand, bauten wir unser Equipment ab und nahmen ein“ Vaporetto“ für die Rücktour zu unserem Hotel. Die Einzelfahrt mit so einem Wasserbus kostet 7,50 €, aber wenn Ihr mehrere Tage in der Stadt seid, ist es günstiger in ein Mehrtagesticket zu investieren. Wir kauften uns für 40,-€ ein 72 Stunden Ticket und sparten so viel Geld. Sehr gut kann man Venedig vom Wasser aus genießen und bewundern und wenn man das System der Transportmittel erst verstanden hat, ist es sehr einfach und bequem von A nach B zu kommen. Nach diesem aufregenden Tag hatten wir Hunger und waren auf der Suche nach einem bezahlbaren Restaurant. Die Preise in Venedig sind generell höher als auf dem Festland und man sollte nach Möglichkeit Restaurants in der Nähe vom Markusplatz, Rialtobrücke und Co meiden. Meine Erfahrung war, dass neben dem Essen noch weitere Kosten, wie Bedienung, Tax, Musik und Sitzplatz, abgerechnet werden. Vorher wird der Tourist aber mit günstigen Angeboten ins Lokal gelockt. Trotzdem findet man aber abseits des Mainstream bezahlbare Restaurants mit schmackhaften Speisen. Empfehlen kann ich zum Beispiel die "Trattoria Bar Pontini" nahe der "Ponte delle Guglie". Hier ist eine nette Bewirtung selbstverständlich und man wird mit leckeren Speisen überrascht. Allerdings ist es besser vorher einen Tisch zu reservieren, da das Lokal sehr beliebt ist. Tag 2. Samstag, 29.10.2016 Schon um 6 Uhr klingelte uns der Wecker aus dem Bett, wir wollten ja nichts verpassen. Mit dem Vaporetto fuhren wir in ca. 30 Minuten zum Markusplatz. Unser Plan für den bevorstehenden Sonnenaufgang: Die typischen Gondeln im Vordergrund und der Insel „San Giorgio“ mit seiner „Church of San Giorgio“ im Hintergund und natürlich der Markusplatz mit der aufgehenden Sonne hinter dem Dogenpalast. Überrascht waren wir über die zahlreichen Fotografen die sich auf den besagten Plätzen tummelten. Trotzdem war es sehr viel entspannter als am Vorabend und wir hatten unsere Fotos schnell im Kasten. Wollt Ihr Bilder von einem menschenleerer Markusplatz aufnehmen, so ist das nur morgens zur blauen Stunde möglich. Das heißt, Ihr solltet mindestens eine Stunde vor Sonnenaufgang vor Ort sein, besser ist noch früher um einen idealen Standpunkt für die Kamera zu finden. Während der blauen Stunde bleibt nicht viel Zeit für Experimente, denn es wird schnell hell und die zahlreichen Kandelaber (Laternen) werden ausgeschaltet. Je höher die Sonne stieg, desto mehr Touristen sammelten sich auf dem Markusplatz. Hier gibt es eine Live-Cam zum Markusplatz mit bewegten Bildern. Wir hatten Hunger und fuhren mit dem Vaporetto zu unserem Hotel zurück um ein ausgiebiges Frühstück zu genießen. Am Nachmittag ging es dann nochmal zum Markusplatz und zum "Arsenal". Das ist die ansässige Schiffswerft des Zeughauses und der Flottenbasis der ehemaligen Republik Venedig. Hier blieben wir bis zum Einbruch der Dunkelheit. Tag 3. Sonntag, 30.10.2016 Für diesen morgen zum Sonnenaufgang hatten wir uns den berühmten Blick von der „Ponte dell`Accademia“ zur „Basilica di Santa Maria della Salute“ ausgesucht. Mit dem Vaporetto fuhren wir bis zur Anlegestelle „Zaterre“ und gingen dann noch knappe 10 Minuten zu Fuß bis zur Brücke. Wir waren aber nicht die ersten die ihr Equipment in Pose brachten, zwei Fotografen hatten sich schon einen Platz in der ersten Reihe gesichert. Es empfiehlt sich der Standpunkt auf dem rechten Teil der Brücke um den „Canale Grande“ ins Meer fließen zu sehen. Ich probierte mehrere Standpunkte aus. Leider waren die Lichtverhältnisse recht schwierig und so nutzte ich mehrere Techniken aus um ein optimales Foto entstehen lassen zu können. Beispielsweise nutze ich einen weichen Verlaufsfilter und nahm auch einige Motive in HDR auf um den hohen Kontrastumfang gerecht werden zu können. Eine HDR-Aufnahme ist eine Reihe von Belichtungen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten. Die Blende, der Weißabgleich und natürlich der Autofokus dürfen zwischenzeitlich nicht verändert werden und sollten möglichst auf manuell eingestellt sein. Das RAW-Format sollte hier wie auch bei allen anderen Aufnahmen selbstverständlich sein. Denn nur mit dem RAW- Format lässt sich der volle Dynamikumfang des Sensors nutzen. Durch eine längere Belichtungszeit (Langzeitbelichtung) lassen sich zusätzlich die Lichtspuren der fahrenden Boote einfangen und verleihen den Bildern etwas Geheimnisvolles. Sollte die Belichtungszeit nicht lang genug sein, dann steckt oder schraubt einen ND-Filter vor das Objektiv. Am Nachmittag fuhren wir mit dem Vaporetto von der Anlegestelle „Fondamenta Nuova“ in ca. 45 Minuten zu der kleinen Insel „Burano“. Die Boote legen alle halbe Stunde ab, doch das letzte Boot zurück sollte man nicht verpassen. "Burano" selbst ist eine wunderschöne kleine Insel mit nur zwei Kanälen die von quietsch bunten Häusern gesäumt sind. Der tiefblaue, wolkenlose Himmel ließ das ganze sehr kitschig erscheinen, halt Postkartenidylle. Auch wenn es hier nicht ganz so viele Touristen gab, verirrte sich trotzdem der ein oder andere vor unsere Kameras. Wenn ich Personen nicht in mein Bild einbauen möchte, nutze ich später in Photoshop die Technik „Maskieren“. Hierzu stelle ich die Kamera auf ein stabiles Stativ und fertige mehrere Fotos der gleichen Szene an ohne die Kamera zu bewegen. Dabei achte ich darauf, dass alle Bereiche des Fotos irgendwann frei von Menschen sind und das Licht möglichst gleich bleibt. In Photoshop lade ich die Bilder dann übereinander in unterschiedlichen Ebenen und durch maskieren blende ich die Personen dann einfach aus. Mit Photoshop Elements lässt sich das sogar automatisch bewerkstelligen. Tag 4. Montag, 31.10.2016 In Venedig gehen morgens nach der Dämmerung zügig alle Lichter aus und somit konnten wir am Samstag nicht alle unsere Bildideen verwirklichen. Also beschlossen wir nochmal zum Markusplatz zu fahren und es war eine gute Entscheidung. Das Licht und die Wolken am Himmel waren ganz nach meinem Geschmack und auch die Lichtverhältnisse waren ideal. Der Sonnenaufgang wurde zwar leider von einem anfahrenden Kreuzfahrschiff verdeckt, doch in diesem Moment, als die Sonne am Bug des Schiffes vorbei lugte, gelang mir eine optimale Aufnahme. Durch einen weichen Verlaufsfilter vor dem Objektiv dunkelte ich zusätzlich den Himmel ab und erhielt dadurch eine schöne Struktur in den Wolken. Sucht Euch einen Platz direkt auf dem Markusplatz und wartet den Moment ab, wenn die Sonne zwischen den Arkaden des "Dogenpalastes" erscheint. Um einen schönen Blendenstern der Sonne und den Laternen, den Kandelabern zu erhalten müsst Ihr die Blende am Objektiv schließen, dass heißt Ihr stellt eine große Zahl ein. Der Blendenstern, oder Sonnenstern, ensteht so ab Blende 11. Das ist natürlich auch vom Objektiv und dem Licht abhängig und ihr solltet das im Vorfeld zu Hause ausprobieren um vor Ort nicht experimentieren zu müssen. Eine kleinere Blende als 16 würde ich aber nicht empfehlen, da hier die Schärfe an den Rändern zu sehr abnimmt (Beugungsunschärfe) und Ihr solltet Eure Kamera aus dem Effeff beherrschen damit Ihr vor Ort schnell genug auf Lichtveränderungen reagieren könnt. In der Dunkelheit ist eine kleine Taschenlampe, besser eine Kopflampe (idealerweise mit Rotlicht) extrem hilfreich. Am Nachmittag gingen wir in Richtung „Rialtobrücke“ zu Fuß um nach geeigneten Motiven Ausschau zu halten, denn es fehlte uns noch dieses typische Bildmotiv von den engen Kanälen mit den alten Häuserfassaden. Und wie sollte es anders sein, scharrten sich auch hier die Touristen vor unsere Kameras um aus unserem Blickwinkel ihre Fotos zu knipsen. Dazu kam, dass bei dem ganzen Herumgelaufe die kleinen Holzbrücken anfingen zu schwingen. Unsere Geduld wurde auch hier wieder auf eine harte Probe gestellt. An der Rialtobrücke angekommen, mussten wir feststellen, dass diese komplett eingerüstet war. Somit war es uns nicht möglich ein schönes Bild vom Wahrzeichen der Stadt zur blauen Stunde zu machen und auch am Abend waren hier noch Massen an Menschen unterwegs. Ein Handyfoto musste also schweren Herzens genügen. Tag 5. Dienstag, 01.11.2016 Der letzte Tag in der schönen Stadt Venedig ist angebrochen. An unserem letzten Tag wollten wir nochmal den Ausblick von der "Ponte dell` Accademia" genießen, denn wir hofften auf besseres Wetter und besseres Licht als am Sonntag morgen? Als wir an der Brücke ankamen, standen die ersten Fotografen schon da und es begann die blaue Stunde. Leider war der Himmel wieder ohne jede Wolke und Struktur. Nur am Horizont, da wo die aufgehende Sonne sich blicken lassen sollte, gab es ein fettes Wolkenband. Wir versuchten unser bestes, packten dann aber relativ schnell zusammen und fuhren mit dem Vaporetto zurück zu unserem kleinen Stadt-Hotel. So blieb noch Zeit für ein gemeinsames Frühstück und das Koffer packen, bevor es mit dem Schnellboot von „Alilaguna“ zurück zum Flughafen ging. Trotz der vielen Touristen war Venedig eine Reise wert und ich kann jedem diese wunderschöne Stadt nur wärmstens empfehlen. Aus fotografischer Sicht gesehen, findet Ihr Motive an jeder Ecke und die Reise ist durchaus bezahlbar. Für Hin- und Rückflug musste ich 100,- Euro bezahlen, das Hotel (inkl. sehr gutem Frühstück) kostete 420,- Euro. Dazu kamen nochmal 150,- Euro für Verpflegung und Wassertaxi. Besucht die Stadt wenn möglich in den Wintermonaten, denn dann ist es nicht ganz so voll und Ihr habt einfach mehr von Venedig.
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